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Alltagssüchte Was ist normal - was ist gefährlich?

Mindestens zehn Mal am Tag Handcreme benutzen, nicht ohne Nasenspray einschlafen können oder ein Kaugummi nach dem nächsten kauen - fast jeder kennt solche kleinen Alltagssüchte...


Aber wie gefährlich sind sie und was können wir dagegen tun? Darüber haben wir mit dem Kölner Suchtexperten Markus Theis gesprochen. Er arbeitet in der Fachstelle für Sucht- und Aidsprävention vom Sozialdienst Katholischer Männer und beantwortet die wichtigsten Fragen:

Ab wann gelte ich als "süchtig"?

Die sichere (medizinische) Diagnose "Abhängigkeitssyndrom" kann nur gestellt werden, wenn irgendwann während des letzten Jahres drei und mehr der folgenden Kriterien gleichzeitig vorhanden waren:

1) Ein starker Wunsch oder eine Art Zwang, Substanzen zu konsumieren

2) Verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich Beginn/Beendigung/Menge des Substanzkonsum

3) körperliche Symptome bei keinem oder weniger Konsum

4) Nachweis einer Toleranz

5) Vernachlässigung anderer Interessen und Vergnügen, erhöhter Zeitaufwand um die Substanz zu beschaffen, zu konsumieren oder sich von den Folgen zu erholen

6) Anhaltender Konsum rotz eindeutiger schädlicher Folgen (körperlich, psychisch, sozial)

Grundsätzlich gilt: jedes Verhalten und jeder Stoff kann zu seiner Sucht führen!

Wie kann ich rausfinden, ob ich süchtig bin? 

Mit Hilfe einer Frage: "Wie viel Leid verspüre ich, wenn ich auf Substanz/Verhalten XY verzichten soll?"

Wenn Sie in diesem Zusammenhang einen wirklich hohen Leidensdruck verspüren, könnte es ratsam sein eine Beratungsstelle aufzusuchen. In vielen Fällen sind körperlichen und seelischen Schäden durch "Alltagssüchte" aber eher gering.

Was kann ich gegen kleine Süchte im Alltag tun? 

Die Fixierung von Stoff/Verhalten XY lösen und Alternativen finden! Möchten Sie zum Beispiel Ihren Kaffeekonsum reduzieren, müssen Sie andere Wege finden, wach und fit zu werden. Statt einer Tasse Kaffee könnten Sie morgens zum Beispiel kalt duschen oder eine Runde Frühsport treiben. Für das Büro empfiehlt der Experte: statt Kaffee trinken eine kleine Pause machen, Mini-Sportübungen am Schreibtisch oder kaltes Wasser über die Handgelenke laufen lassen.


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